Clemens Vahrmeyer Hypnose & integrative Begleitung

Gehirn und Veränderung

Was Hirnforschung über Veränderung weiss – und was das für Hypnose und Child Coaching bedeutet Warum greifen wir zum Handy, obwohl wir es besser wissen? Warum scheitern gute Vorsätze so zuverlässig im Alltag? Die Antworten darauf sind weniger eine Frage der Disziplin als der Neurobiologie. In einem Interview mit der ZEIT erklärt der Hirnforscher Martin Korte, welche Rolle Dopamin dabei spielt – und warum viele gängige Selbstoptimierungsstrategien ins Leere laufen. Für meine Arbeit als Hypnosetherapeut und Elternbegleiter ist das in mehrfacher Hinsicht relevant. (Quelle: Interview mit Hirnforscher Martin Korte, DIE ZEIT, 11. Februar 2026) Dopamin: Glückshormon? Nein. – Motivationsarchitekt ! Korte erklärt, dass Dopamin vor allem eines tut: Es entscheidet, ob wir etwas anpacken oder aufschieben. Wenn eine Aufgabe erreichbar wirkt oder positives Feedback in Aussicht steht, versorgt das Gehirn den Stirnlappen mit Dopamin – und wir bleiben dran. Fehlt dieses Signal, sucht das Belohnungssystem eine schnellere Alternative: das Smartphone, die Schokolade, der nächste Kurzreiz. Das hat weniger mit fehlender Disziplin zu tun, als wir oft glauben – und deutlich mehr mit Neurobiologie. Was interessant für die Praxis ist: Dieses System lässt sich gezielt beeinflussen – durch Teilziele, durch konkretes Feedback, durch Umgebungsgestaltung. Und genau hier setzt sowohl Hypnose als auch Child-Coaching an. Gewohnheiten ändern – was Hypnose dazu beitragen kann Korte stellt klar: Gute Absichten allein reichen nicht. Gewohnheiten sitzen tief, weil sie neuronal verankert sind – als automatisierte Abläufe, die ohne bewusstes Nachdenken ablaufen. Um sie zu verändern, müssen die Synapsen buchstäblich umgebaut werden. Das braucht Zeit (Korte spricht von mehreren Wochen), eine konkrete Alternative und veränderte Rahmenbedingungen. Hypnose setzt genau an dieser Schnittstelle an: zwischen automatisiertem Verhalten und bewusster Einflussnahme. In hypnotischen Zuständen lassen sich Aufmerksamkeit, Vorstellungskraft und emotionale Verarbeitung gezielt bündeln. Genau diese Fokussierung erleichtert es, neue Reaktionsmuster mental vorwegzunehmen und einzuüben – bevor sie im Alltag umgesetzt werden. Das entspricht dem, was Korte als «assoziative Nebenwege» beschreibt: Zustände, in denen neue Verbindungen entstehen können, die im Wachzustand oft blockiert sind. Hypnose arbeitet dabei nicht gegen das Dopaminsystem, sondern mit ihm. Statt Verzicht oder Kontrolle in den Vordergrund zu stellen, geht es darum, neue Erfahrungen so zu gestalten, dass sie vom Gehirn als lohnend bewertet werden – und sich damit überhaupt erst verankern können. Was Korte über das Umfeld sagt, gilt auch hier: Hypnose allein verändert nichts, wenn das gewohnte Umfeld unverändert bleibt. Begleitend braucht es kleine, konkrete Schritte – „die Schokolade aus dem Schrank räumen, die Laufschuhe vor die Tür stellen“, wie er es formuliert. Child-Coaching: Warum Anerkennung mehr ist als eine Pädagogik-Mode Besonders aufschlussreich sind für mich Kortes Aussagen zur Wirkung von Lob und Anerkennung. Er beschreibt, wie er selbst als Institutsleiter täglich bewusst kleine Begegnungen mit seinen Mitarbeitenden sucht – nicht als Managementmethode, sondern weil er weiss: Anerkennung gehört zu den wirksamsten sozialen Reizen für das Dopaminsystem. Besonders wirksam ist Lob, wenn es unerwartet kommt und konkret ist. Ein präzises Feedback wirkt stärker als pauschales Schulterklopfen. Was für Erwachsene gilt, zeigt sich bei Kindern oft noch deutlicher. Child-Coaching als Methode ist sehr wirksam mit Kindern, die in ihrem Verhalten feststecken – oft weil die Signale, die sie bekommen, unklar oder überwiegend korrigierend sind. Kortes Erkenntnisse bestätigen, warum ein Ansatz, der Stärken sieht und konkret benennt, langfristig wirksamer ist als Strafen oder Ermahnungen. Anerkennung markiert eine Erfahrung im Gehirn als bedeutsam: Das war gut. Das lohnt sich. Das will ich wiederholen. Genau das brauchen Kinder, um neue Verhaltensweisen zu verankern. Hinzu kommt, was Korte über Teilziele sagt: Kinder – und auch Erwachsene (besonders solche mit ADHS) – profitieren besonders davon, wenn grosse Aufgaben in überschaubare Schritte aufgeteilt werden und wenn jeder Schritt sichtbar gemacht und gewürdigt wird. Das ist keine Vereinfachung – es ist gehirngerechtes Lernen: überschaubare Schritte, sichtbarer Fortschritt, klare Rückmeldung. Fazit Ich habe dieses Interview mit echter Freude gelesen. Ein nüchternes und aufschlussreiches Gespräch mit einem Hirnforscher, das mich in meiner Arbeit als Elternbegleiter und Hypnosetherapeut bestätigt. Martin Korte folgt keiner pädagogischen Schule und keinem therapeutischen Konzept – er erklärt schlicht, wie das Gehirn funktioniert. Und genau darin liegt für mich die Bestätigung: Was ich in der Hypnosetherapie und im Child-Coaching tue, folgt denselben Mechanismen, die er benennt. Veränderung scheitert selten am Wissen – sondern an der Art, wie unser Gehirn Motivation organisiert. Willenskraft allein reicht nicht. Entscheidend sind die richtigen Bedingungen: klare Ziele, passende Umgebungen und Erfahrungen, die sich für das Gehirn tatsächlich lohnen. Genau hier setzen Hypnose und Child-Coaching an: Sie schaffen Räume, in denen neue Erfahrungen nicht nur gedacht, sondern erlebt werden können – und damit überhaupt erst die Chance haben, sich zu verankern. Quelle: https://www.zeit.de/arbeit/2026-02/dopamin-arbeit-motivation-leistung-hirnforscher Zurück zum Blog Falls dieser Artikel Sie neugierig gemacht hat…   Kontaktieren Sie mich gerne – ob für sich selbst mit Hypnose oder für Ihr Kind und Ihre Familie mit Child-Coaching. Ich biete ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch an und freue mich auf Ihre Nachricht oder Ihren Anruf. Kontaktaufnahme

Therapeutische Hypnose: ein Weg zu den eigenen inneren Ressourcen

Therapeutische Hypnose: ein Weg zu den eigenen inneren Ressourcen Hypnose ist ein wirksames therapeutisches Mittel, um Stress, Ängste, emotionale Blockaden, hartnäckige Gewohnheiten und einschränkende Glaubenssätze zu überwinden. Sie aktiviert und nutzt Ihre unbewussten Ressourcen, um eine nachhaltige Veränderung zu fördern, wo Willenskraft allein nicht ausreicht. Nicht das Fehlen von Ressourcen ist das Problem – sondern ihr fehlender Zugang Wenn von Hypnose die Rede ist, denken viele noch immer an Kontrollverlust. In der hypnotherapeutischen Praxis erlebe ich jedoch oft etwas ganz anderes: eine Verlagerung der Aufmerksamkeit, die Zugang zu Ressourcen ermöglicht, die in der eigenen Erfahrung der Klienten bereits vorhanden sind. Menschen kommen in Therapie häufig mit Themen, die viel Raum einnehmen: Ängste, festgefahrene Gewohnheiten, Selbstzweifel oder Schwierigkeiten in Beziehungen. Oft wirkt es so, als gäbe es nur noch dieses eine Problem. Und doch haben dieselben Menschen in ihrem Leben bereits ganz andere Erfahrungen gemacht: Momente von Ruhe, Klarheit, Vertrauen oder Handlungsfähigkeit. Der Kern liegt deshalb häufig nicht im Mangel an Ressourcen – sondern darin, dass sich bestimmte Reaktionsmuster automatisiert haben. Sie laufen immer wieder ab, selbst dann, wenn sie längst nicht mehr hilfreich sind. Fokus verlagern – neue Reaktionen ermöglichen Aus dieser Perspektive geht es in der therapeutischen Hypnose nicht darum, etwas Neues zu erschaffen. Es geht darum, den Zugang zu erweitern. Ich nutze manchmal das Bild eines inneren Kontrollraums:Viele „Schalter“, die unterschiedliche Zustände aktivieren – Anspannung oder Ruhe, Rückzug oder Entschlossenheit, Zweifel oder Vertrauen. Mit der Zeit entstehen Gewohnheiten. In bestimmten Situationen wird fast automatisch immer derselbe „Schalter“ betätigt. Hypnose kann helfen, genau hier anzusetzen:Die Aufmerksamkeit verschiebt sich – und plötzlich werden auch andere Möglichkeiten wieder erreichbar. Ressourcen finden und aktivieren, die schon da sind In Sitzungen höre ich oft Sätze wie: „Ich hatte vergessen, dass ich mich so fühlen kann.“ oder: „Das entspricht viel mehr mir selbst.“ Diese Momente sind für mich zentral.Denn sie zeigen: Es geht nicht darum, etwas Fremdes zu installieren – sondern etwas Vertrautes wiederzufinden. Hypnose schafft keine neue Identität.Sie unterstützt dabei, den Kontakt zu inneren Ressourcen wiederherzustellen, die bereits da sind – aber im Alltag in den Hintergrund geraten sind. Meine Rolle als Hypnosetherapeut: Aufmerksamkeit gezielt führen n diesem Prozess gleicht der Hypnosetherapeut weniger jemandem, der den Geist „kontrolliert“, als jemandem, der die Aufmerksamkeit gezielt führt – in Richtung dessen, was Klient und Therapeut gemeinsam vereinbart haben. Ich biete den Rahmen, ein Tempo, Suggestionen – auf dem Weg, den es zu erkunden gilt. Die Klientin lässt sich für eine Weile führen, ähnlich wie man einem Bergführer oder einer Meditationslehrerin folgt. Ihre individuelle Erfahrung bleibt dabei einmalig. Therapeutische Hypnose ist in diesem Sinne eine gemeinsam geschaffene Erfahrung: Der Therapeut gibt das Setting und die Methode, der Klient bringt seine Vorstellungskraft, seine Körperempfindungen und seine innere Welt mit ein. Gemeinsam entsteht ein Zustand, in dem Veränderung möglich wird. Der Hypnosezustand: eine besondere Form der Aufmerksamkeit In diesem Zustand tritt das innere Grübeln, das Zweifeln, das ständige Abwägen in den Hintergrund. Bildgebende Studien zeigen, dass dabei jene Hirnbereiche weniger aktiv sind, die normalerweise für selbstkritisches und kontrollierendes Denken zuständig sind. Der Klient wird dadurch offener für neue Erfahrungen und Suggestionen. Das klingt paradox – ist es aber nicht. Gerade weil die gewohnte innere Kontrolle einen Moment loslässt, wird etwas Neues möglich: eine freiere, weniger automatische Art zu reagieren. Nicht weniger Kontrolle im Sinne von Ausgeliefertsein – sondern weniger von jenen inneren Blockaden, die Veränderung bisher verhindert haben. Die ethische Verantwortung des Therapeuten ist deshalb zentral: Er arbeitet ausschließlich in die Richtung, die gemeinsam vereinbart wurde. Die Offenheit des Trancezustands ist kein Einfallstor für Fremdbestimmung – sondern ein Fenster, das der Klient selbst öffnet und jederzeit wieder schließen kann. Ähnliche Formen des Eintauchens kennen wir übrigens aus dem Alltag: aus der Meditation, der Musik, dem Tanz, dem Laufen, der Naturbetrachtung oder aus Momenten intensiver Konzentration – dem sogenannten Flow-Zustand. Therapeutische Hypnose bietet eine strukturierte Möglichkeit, in einem begleiteten Kontext auf genau diese Art von Erfahrung zuzugreifen. Hypnosetherapie als Zugang zu inneren Ressourcen Vielleicht liegt hier eines der wesentlichen Interessen der therapeutischen Hypnose: einer Person zu ermöglichen, sich mit ihren inneren Ressourcen wieder zu verbinden – und sie zu mobilisieren, um im eigenen Leben voranzukommen. Nicht als spektakuläre Technik, nicht als geheimnisvolles Verfahren – sondern als eine Möglichkeit, die eigene innere Erfahrung zu erkunden und Fähigkeiten wieder zugänglich zu machen, die manchmal einfach reaktiviert werden müssen. Zurück zum Blog Hypnose erleben Wenn dieser Artikel Ihre Neugier geweckt hat und Sie Hypnose selbst erleben möchten, können Sie mich gerne unverbindlich kontaktieren. Ich biete Sitzungen bei Ihnen zu Hause, in meinen Praxisräumen oder online an. Je nach meinen zeitlichen Möglichkeiten biete ich auch experimentelle Sitzungen zu einem frei wählbaren Preis an – ohne bestimmtes therapeutisches Ziel: einfach eine Gelegenheit, Hypnose aus eigener Erfahrung kennenzulernen und zu entdecken, was möglich wird, wenn man sich einen Moment Zeit nimmt, die eigene innere Welt zu erkunden. Kontakt

Aikidopraxis als Spiegel: ein inspirierendes Modell für die sozio-therapeutische Begleitung und die Arbeit an sich selbst

Aikidopraxis als Spiegel: ein inspirierendes Modell für die sozio-therapeutische Begleitung und die Arbeit an sich selbst Im Rahmen meines Sabbaticals schreibe ich über persönliche Erfahrungen, vor allem im Hinblick auf die Wiederaufnahme einer regelmässigen Aikidopraxis. In diesem Artikel ziehe ich Parallelen zwischen meinen Erfahrungen im Dojo und dem Therapiemodell der Internal Family Systems (IFS) – einer relativ neuen Entdeckung für mich. Diese Begegnung zwischen körperlicher Praxis und innerer Arbeit bereichert meine Gedanken über Begleitung, Selbstakzeptanz und den Dialog mit sich selbst. Aikido: ein Weg der Verwandlung Als ich mich entschloss, mein Sabbatjahr dem Aikido zu widmen, ahnte ich bereits, dass mir diese Disziplin weit mehr bringen würde als nur eine körperliche und technische Verbesserung. Aikido lädt dazu ein, Konfrontation in Harmonie zu verwandeln, nicht gegen die Kraft des Angreifers anzukämpfen, sondern sie zu integrieren und umzulenken. Es ist diese Vision des Budō (Kampfkunstweg), die Morihei Ueshiba, der Begründer des Aikido, entwickelt hat: Für ihn, der die Grausamkeiten des Krieges erlebt hatte, konnte sich Budō nicht mehr auf eine bloße Beherrschung der Kampfkunst beschränken, sondern musste ein Weg der persönlichen und spirituellen Transformation sein. Ueshiba war der Ansicht, dass das wahre Budō nicht darauf abziele, einen Gegner zu besiegen, sondern die beteiligten Kräfte miteinander in Einklang zu bringen. Er bekräftigte, dass das ultimative Ziel des Budō „Frieden, Liebe und der Schutz aller Dinge“ sein müsse. Ein anspruchsvoller Lernweg Als Weg (Do) verstanden, wird Aikido zur Philosophie der Bewegung und der Beziehung – zu sich selbst und zu anderen. Diese Praxis zeigt mir, wie ich besser im Einklang mit meiner Umgebung und mit mir selbst sein kann. Nach einer langen Pause von sechzehn Jahren habe ich das Training in zwei Dojos wieder aufgenommen, die einen ganz anderen Stil lehren als den, den ich zuvor gekannt hatte. Dieser Neustart konfrontiert mich mit gewissen Schwierigkeiten: Frustration, Unverständnis und manchmal das Gefühl, ganz von vorne anfangen zu müssen, obwohl mein Niveau zuvor recht fortgeschritten war. Aber solche schwierigen Momente sind nicht nur Anfängern vorbehalten. Jeder Partner, jede Interaktion auf der Tatami, mit ihrer eigenen Persönlichkeit, stellt eine Herausforderung dar: es ist notwendig sich auf den Partner mit seinen Eigenarten einzustellen.  Dieses Anpassen gelingt je nach Situation mehr oder weniger gut. Das führt manchmal zu Fragen, zu Zweifeln und manchmal auch zu Momenten des Stolzes oder der Zufriedenheit. Auf der Matte kämpfe ich jedoch nicht nur mit dem Gegenüber. Ich begegne vor allem meinem eigenen Ego, das mit seinen Automatismen reagiert. Die innere Konfrontation: eine alltägliche Übung Nicht nur beim Training stoße ich auf diese Schwierigkeiten. Obwohl dieser Urlaub eigentlich eine Zeit der Erholung und der Verwirklichung persönlicher Projekte sein sollte, werde ich immer wieder mit meinen Grenzen und meinen Frustrationen konfrontiert – in meinem Leben als Vater, als Partner und als Mann, der manchmal das Gefühl hat, trotz aller Bemühungen nicht voranzukommen. Derzeit zwingen mich auch meine Knie zu einer Pause, nachdem nach zwei Wochenenden mit Trainingslagern eine Entzündung aufgetreten ist. Wieder eine Frustration … oder vielleicht eine Gelegenheit, mit dem Teil von mir zu arbeiten, der mit Frustration reagiert? Mir wird bewusst, dass es mir in meinem gewohnten Berufsalltag, umgeben von Kollegen und Klienten, leichter fiel, schwierigen Emotionen auszuweichen, da meine Aufmerksamkeit ganz natürlich auf andere gerichtet war. Während dieser Auszeit, in der ich mehr Zeit für mich habe, bin ich öfter mit meinen Gedanken, meinen Emotionen und meinen Überzeugungen konfrontiert. Und mir wird – einmal mehr – bewusst, dass es vor allem meine eigenen inneren Filter sind, die mir den Blick auf eine Welt voller Möglichkeiten versperren. Die Begleitung mit dem Internal Family Systems (IFS) im Vergleich zum Aikido: ähnliche Grundhaltungen Diesen inneren Gegnern gegenüber entdecke ich so etwas wie ein inneres Aikido. Meine persönlichen Recherchen haben mich zum Therapiemodell der Internal Family Systems (IFS) geführt (Schwartz, 2023) – einem Ansatz, dem ich mich sowohl theoretisch (durch Lektüre) als auch praktisch nähere: durch die Begleitung einer geschätzten Hypnotherapeut-Kollegin sowie durch die Begleitung von mir nahestehenden Personen und Klienten Im Aikido wird die Konfrontation als Kräftemessen vermieden. Anstatt einen Angriff zu blockieren oder abzuwehren, wird er umgelenkt, begleitet. Tori – derjenige, der die Technik ausführt – stimmt sich mit der Kraft des Angreifers ab, um die Dynamik des Konflikts zu verwandeln. Dieses Prinzip gründet auf der Akzeptanz des Gegebenen. Der Angriff ist da: Ich leugne ihn nicht, ich fliehe nicht vor ihm, ich erkenne ihn an – und handle mit ihm. Das Gleiche gilt für den IFS-Ansatz. Dieses Modell geht davon aus, dass wir aus verschiedenen inneren Anteilen bestehen, von denen jeder seine eigenen Rollen, Verletzungen und Strategien hat. Einige dieser Anteile können schützend wirken, andere tragen tiefen Schmerz in sich, und manchmal scheinen sie sich zu widersprechen oder uns daran zu hindern, voranzukommen. Die Arbeit beginnt damit, sie willkommen zu heißen: „Ich sehe, dass du da bist, und ich akzeptiere dich.“ Diese Haltung der Akzeptanz ist entscheidend und ermöglicht es, einen Dialog mit diesen Aspekten des Selbst zu eröffnen, anstatt sie zu bekämpfen oder zu versuchen, sie zum Schweigen zu bringen. Wohlwollende Führung – im Aikido wie in der Begleitung Die Parallelen zwischen IFS und Aikido erscheinen mir offensichtlich – und sie resonieren auch mit anderen sozio-therapeutischen Ansätzen, die ich in meiner Arbeit nutze. Im Aikido muss der Angreifer akzeptieren, sich führen zu lassen. Die Rollen wechseln ständig: Uke (derjenige, der angreift und die Technik „empfängt“) und Tori (derjenige, der sie „gibt“). Die begleitende Person nimmt eine ähnliche Haltung ein: Sie passt sich an, weiss, wohin sie führen möchte – aber ohne zu zwingen. Und im Idealfall lernt der Klient, beide Rollen in sich selbst zu integrieren: mit Wohlwollen und Entschlossenheit. Sowohl im IFS als auch in der modernen Hypnose ist es nicht der Therapeut, der die Lösung hat. Er begleitet und führt den Klienten nach innen. Der Klient ist der Experte seiner eigenen Realität. Wenn ich meine Sicht aufzwingen will, entsteht Widerstand. Wie im Aikido: Wenn ich Kraft einsetze, erzeuge ich Gegenkraft – und dann ist es kein Aikido mehr. In der Begleitung gilt dasselbe: Wenn der Klient in Bewegung ist,